AKTION Saubere Hände in den Ambulatorien der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse

Die Ambulatorien der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse beteiligen sich seit Jänner 2015 aktiv an der Kampagne AKTION Saubere Hände und sind damit Vorreiter in Österreich.

Die AKTION Saubere Hände ist eine nationale Kampagne aus Deutschland und wird steiermarkweit seit 2011 in Kooperation mit dem Gesundheitsfonds Steiermark umgesetzt. Sie ist zudem Bestandteil einer Kampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Erhöhung der Patientensicherheit. Aufgrund der starken Vernetzung der Gesundheitseinrichtungen in der Patientenversorgung, stellt die Verschleppung von Keimen ein relevantes Problem für alle Gesundheitssektoren dar. Die AKTION Saubere Hände soll daher auf Krankenanstalten, stationäre Pflegeeinrichtungen, Reha-Einrichtungen, Rettungsdienste, Hauskrankenpflege als auch Arztpraxen ausgerollt werden. In der Steiermark beteiligen sich derzeit 30 Krankenanstalten und 21 Pflegeheime an der Kampagne und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit. Im Jänner startete die STGKK als erste ambulante Einrichtung mit der Umsetzung.

 

Am 15. Jänner fand dazu in der STGKK eine Kick-Off Veranstaltung statt, an der alle Hygieneverantwortlichen der Ambulatorien teilgenommen haben. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Prim. Dr. Reinhold Pongratz, Ärztlicher Leiter der STGKK. Prim. Pongratz sieht die Beteiligung an der Kampagne als weitere wichtige Qualitätsverbesserung im Sinne der Patientensicherheit. Fachliche Unterstützung erhielten die Projektverantwortlichen durch Prim. Dr. Klaus Vander, Ärztlicher Direktor des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie. Anhand von wissenschaftlichen Studien zeigte er in seinem Vortrag auf, dass Ringe und künstliche Fingernägel bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Gesundheitseinrichtungen ein großes Risiko für Patientinnen und Patienten, aber auch für sich selbst darstellen können. Für die Umsetzung in der STGKK sind Frau Dr. Gerda Ribitsch und Frau Dr. Heidelinde Jakse verantwortlich. Mit großem Engagement wurden sämtliche Vorbereitungen für die Anmeldung zur ASH sowie für die Umsetzung vorbereitet. Breite Unterstützung erhält die STGKK zudem durch den Gesundheitsfonds Steiermark. Dieser ist für die Koordination des Projekts in der gesamten Steiermark zuständig. Dr. Gert Klima, Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark freute sich über die Vorreiterrolle der STGKK im ambulanten Bereich. Mag. (FH) Lydia Stelzl präsentierte in ihrer Funktion als Projektleiterin die bisherigen Ergebnisse der Umsetzung der ASH in den steirischen Spitälern. Eine Befragung der MitarbeiterInnen der Krankenanstalten hat gezeigt, dass die Händehygiene durch die AKTION Saubere Hände für 70% der Befragten einen höheren Stellenwert erhalten hat.  

Als wichtige Erfolgsfaktoren für die Umsetzung der Kampagne zählen insbesondere Führungskräfte die sich als Rollenvorbilder für die Verbesserung der Händehygiene einsetzen. Weitere relevante Faktoren stellen Erinnerungshilfen beispielsweise in Form von Plakaten, Schulungsmaßnahmen sowie regelmäßiges Feedback über Ergebnisse an die MitarbeiterInnen dar. Eine Grundvoraussetzung für die Durchführung der Händehygiene ist zudem die Verfügbarkeit von Desinfektionsmitteln, dazu ist es erforderlich Spender dort anzubringen, wo PatientInnen behandelt werden.

      Gert Klima, Heidelinde Jakse, Gerda Ribitsch, Klaus Vander, Lydia Stelzl, Reinhold Pongratz (vlnr)

Welches Ziel hat die „AKTION Saubere Hände"?

Ziel ist eine Verbesserung der Händehygiene, vor allem der Händedesinfektion, im Gesundheitswesen. Die Händedesinfektion ist eine sehr effektive Maßnahme, um Infektionen zu verhindern.

Warum braucht es eine Kampagne zur Verbesserung der Händehygiene?

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass es aufgrund von verschiedenen Faktoren wie zu geringe Anzahl oder falsche Platzierung von Desinfektionsmittelspendern sowie aufgrund von Zeitdruck häufig keine Händedesinfektion durchgeführt wird. Dies kann sowohl für Patienten als auch für MitarbeiterInnen eine Risiko darstellen und zu unerwünschten Keimübertragungen und Infektionen führen.

Was ändert sich durch die Teilnahme an der AKTION Saubere Hände?

Durch die Teilnahme an der Kampagne verpflichten sich die Einrichtungen dazu ein erhöhtes Augenmerk auf die Durchführung der Händehygiene zu legen. Es werden gezielte Schulungen des Personals durchgeführt. Gleichzeitig wird auch die Ausstattung mit Desinfektionsmittelspendern optimiert, um unnötige Wege für das Personal möglichst zu vermeiden. Der Verbrauch an Desinfektionsmittel wird von den teilnehmenden Einrichtungen erfasst, um gegebenenfalls weitere Verbesserungen einzuleiten.

Was ist eine Händedesinfektion?

Unter einer Händedesinfektion versteht man das Einreiben der Hände mit einem in der Regel auf Alkohol basierenden Desinfektionsmittel. Dieses Desinfektionsmittel ist speziell für die Anwendung an den Händen entwickelt worden. Dabei werden die auf den Händen befindlichen Erreger (z.B. Bakterien und Viren) abgetötet.

Wann sollte eine Händedesinfektion durchgeführt werden?

Das WHO Modell der "5 Indikationen der Händedesinfektion" wurde für den stationären Krankenhausbereich entwickelt. Es beruht auf Erkenntnissen, wie Erreger im Krankenhaus übertragen werden. Die Indikationen zur Händedesinfektion außerhalb der stationären Krankenhausbereiche wurden von internationalen ExpertInnen intensiv diskutiert. Die "Aktion Saubere Hände" hat gemeinsam mit der WHO eine Anpassung des WHO Modells "Die 5 Indikationen der Händedesinfektion" für die Ambulante Medizin vorgenommen. Eine Unterscheidung erfolgte nach den Bereichen „ambulant invasiv" und „ambulant nicht invasiv"

 

Im nicht invasiven ambulanten Bereich ist die Anwendung des Modells mit der Definition einer direkten und erweiterten Patientenumgebung nicht möglich.

 

Welche Patientenkontakte erfordern eine Händedesinfektion? 

Alle medizinischen / pflegerischen Kontakte mit PatientInnen, im Sinne eines direkten Hautkontaktes, in denen die Intimsphäre der PatientInnen nicht mehr gewahrt wird (z.B. körperliche Untersuchung etc.).

Wer sollte eine Händedesinfektion durchführen?

Alle MitarbeiterInnen der Gesundheitseinrichtungen, insbesondere jenes Personal mit direktem Kontakt zu PatientInnen! Falls bei PatientInnen multiresistente Erreger nachgewiesen werden, ist jedenfalls eine Händedesinfektion durchzuführen. In diesem Fall sollte durch Hinweisschilder oder von Seiten des Personals darüber informiert werden. Die korrekte Durchführung der Händehygiene erfolgt in sechs Schritten:

 

Wussten Sie, dass …

  • sich auf unseren Händen 100 bis 1.000 Keime pro cm2 befinden?
  • eine Händedesinfektion mehr Keime entfernt als Waschen mit Wasser und Seife?
  • nach einer Händedesinfektion von 100.000 Keimen max. ein Keim überlebt während nach dem Händewaschen von 100.000 Keimen 1.000 überleben?
  • der Großteil aller potentiell vermeidbaren Infektionen über die Hände übertragen wird?
  • eine Händedesinfektion für die Haut weniger strapaziös ist als Händewaschen?

 

Sollte ich im privaten Bereich auch eine Händedesinfektion durchführen?

In unserem persönlichen Umfeld ist das Waschen mit Wasser und Seife völlig ausreichend. Sollte zu Hause ein Angehöriger gepflegt werden, empfiehlt es sich mit dem Hausarzt Rücksprache zu halten, ob von Fall zu Fall eine Händedesinfektion anzuraten wäre.

In folgenden Situationen ist das Waschen mit Wasser und Seife völlig ausreichend:

  • nach Benutzung der Toilette
  • bei verschmutzten Händen
  • vor dem Essen

 

Fotos: © STGKK/Olbl