Erfahrungsaustausch „Aktion Saubere Hände“ 2018

Am 11. Oktober 2018 fand bereits zum siebten Mal ein Erfahrungsaustausch im Rahmen der „Aktion Saubere Hände“ in Graz statt. Rund 120 interessierte Personen aus den unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens nahmen an der Veranstaltung teil und nutzten die Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch.

​​​​​​​​​​​​Auch in diesem Jahr wurde den TeilnehmerInnen ein buntes Programm mit verschiedenen Schwerpunkten rund um das Thema (Hände-)Hygiene geboten. Eröffnet wurde die Veranstaltung vom stellvertretenden Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark und Vorsitzenden der Qualitätssicherungskommission Steiermark Herrn Dr. Johannes Koinig. Der Gesundheitsfonds Steiermark hat im Jahr 2009 unter Einbezug aller wesentlichen AkteurInnen des steirischen Gesundheitswesens eine Qualitätsstrategie erarbeitet und als einen Schwerpunkt die Erhöhung der PatientInnensicherheit definiert. Seit 2011 wird bereits die „Aktion Saubere Hände" in Kooperation mit der Charité Universitätsmedizin Berlin in der Steiermark umgesetzt. Ziel ist es, die Händedesinfektionscompliance zu optimieren und dadurch gesundheitssystem-assoziierte Infektionen sowie die Übertragung von Krankheitserregern zu reduzieren – zum Schutz der PatientInnen sowie zum Schutz der im Gesundheitswesen Tätigen.

Frau Dr. Sabrina Artinger vom deutschen Bundeskanzleramt stellte das deutschlandweite Pilotprojekt zur Förderung der Infektionsprävention durch Kulturwandel und Partizipation vor. Um nachhaltige Veränderungen zu bewirken, braucht es einen ganzheitlichen und stationsspezifischen Ansatz und einen Wandel sowohl in der Organisationsstruktur als auch –kultur. Ein multimodales Programm wurde entwickelt, welches fünf zentrale Maßnahmen integriert: Partizipation; offener Umgang mit Problemen in den Arbeitsabläufen; Pooling; regelmäßige, aussagekräftige Ergebnisrückmeldungen sowie Vorbildfunktion und Unterstützung der Leitung. Im Zuge des Programms wurden regelmäßige Teammeetings auf den Stationen durchgeführt. ÄrztInnen und Pflegepersonal arbeiteten gemeinsam und konkret an der Optimierung von Arbeitsabläufen und Händehygiene. Team-Lösungen wurden gemeinsam umgesetzt, Ergebnisse gemessen und zeitnah im Zuge des nächsten Meetings besprochen. Erfahrungen und Kompetenzen der vor Ort Tätigen wurden eingebracht. Mitwirkung, Mitverantwortung und Motivation in der Infektionsprävention wurden gefördert bzw. gestärkt. Durch diesen ganzheitlichen, multimodalen Ansatz konnte eine kontinuierliche, bedeutende Optimierung der Händehygiene-Compliance auf den teilnehmenden Stationen erzielt werden. Weiterführende Informationen erhalten Sie in der unten angeführten Beilage sowie über www.bundesregierung.de .

Frau Mag. Patrizia Theurer vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz ging auf die bundesweite Surveillance von nosokomialen Infektionen ein. Im April 2016 wurde die Rahmenrichtlinie für die systematische Erfassung von Krankenhauskeimen von der Bundes-Zielsteuerungskommission abgenommen. Diese legt die österreichweiten Regeln für die Erfassungssysteme auf höchster politischer Ebene fest. Ziele der Erfassung von nosokomialen Infektionen sind u.a. die Senkung der Inzidenz von nosokomialen Infektionen, österreichweite Erfassung von klar definierten nosokomialen Infektionen, Verwendung einheitlicher Kennzahlen, Feedback an die meldenden Krankenanstalten, Ableitung von Verbesserungsprozessen und bundesweiten Maßnahmen. Österreichweit verpflichtend zu erfassen sind nun postoperative Wundinfektionen (Gallenblasenentfernung, Hüftendoprothese) sowie gesundheitssystem-assoziierte Infektionen auf Intensivstationen. Aktuell werden die Rückmeldungen aus dem Pilotversuch eingebaut und der Echtbetrieb vorbereitet. Weiters findet gerade die Entwicklung eines Berichtskonzeptes für das Jahr 2019 statt.

Unter dem Titel „6 Jahre „Aktion Saubere Hände" am LKH-Univ. Klinikum Graz – Wege zur kontinuierlichen Verbesserung!" stellten Frau Veronika Gombotz, MA und Frau HFK DGKP Kathrin Pepper eindrucksvoll die über die Jahre gesetzten Maßnahmen im Zuge der Umsetzung der Aktion am LKH-Univ. Klinikum Graz vor. Bereits seit sechs Jahren wird die „Aktion Saubere Hände" am LKH-Univ. Klinikum Graz erfolgreich und mit viel Engagement der vor Ort Tätigen umgesetzt und die richtige, indikationsgerechte Durchführung der Händedesinfektion forciert. Um die Compliance der Händedesinfektion zu messen, wird neben der jährlichen Erfassung des Händedesinfektionsmittelverbrauchs auf die Durchführung von Compliance Beobachtungen sowohl in bettenführenden Bereichen als auch in Funktionsbereichen sowie auf die Durchführung von Hygiene Selbstevaluierungen gesetzt. Dem zu Grunde liegt ein strukturierter Prozess, der von der Erstbeobachtung, über die Auswertung bis hin zum unmittelbaren Feedback betreffend Verbesserungspotenzialen und gegebenenfalls der bereichsspezifischen Umsetzung von Schulungsmaßnahmen und Anpassungen von Arbeitsprozessen reicht. Über die Jahre konnte eine signifikante Steigerung der Compliance erzielt werden. Deutliche Unterschiede in der Compliance zwischen Berufsgruppen und Stationen konnten festgestellt werden.

Der Gesundheitsfonds Steiermark widmet sich seit dem letzten Jahr verstärkt dem Thema Gesundheitskompetenz, mit dem Ziel die Gesundheitskompetenz der SteirerInnen zu stärken und ein gesundheitskompetentes Gesundheitssystem in der Steiermark zu gestalten. Im Zuge der Umsetzung der „Aktion Saubere Hände" im steirischen Gesundheitswesen soll künftig auch dieser Gedanke verstärkt Berücksichtigung finden. Im Rahmen der Veranstaltung gaben Frau Anne Rauch, MA und Frau Kristina Walter, MA einen ersten Input zum Thema Gesundheitskompetenz. Zentrale Handlungsbereiche sind u.a. verständliche Informationsmaterialien, effektive Kommunikation, Orientierungshilfen, Einbeziehung der Zielgruppe und die Schulung der MitarbeiterInnen. Wichtig ist, nicht nur die persönliche Gesundheitskompetenz zu stärken, sondern ebenso die Organisation gesundheitskompetent zu gestalten.

Nach der erfolgreichen Implementierung von Edukationsmaßnahmen für PatientInnen im Bereich Akutgeriatrie und Remobilisation der Albert Schweitzer Klinik setzten sich die Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ) das Ziel, das Projekt „Handle mit Verstand und reinige deine Hand" in den Pflegewohnheimen der GGZ umzusetzen. Herr HFK DKGP Michael Uhlmann veranschaulichte anhand der unterschiedlichen Maßnahmen - wie u.a. durch Informationsmanagement, ständige Motivation und Anleitung der BewohnerInnen durch die MitarbeiterInnen, Positionierung von Erinnerungshilfen, Optimierung der Erreichbarkeit der Händedesinfektionsmittel, Partizipation - das Händehygienebewusstsein und –verhalten der BewohnerInnen positiv beeinflusst werden kann.

Herr HFK DGKP Christian Pux, ebenso von den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz, ging in seinem Beitrag auf die Prävalenz von „Problemkeimen" in geriatrischen Einrichtungen ein und zeigte anhand der durchgeführten Prävalenzerhebung in drei Pflegewohnheimen und auf drei Stationen der Albert Schweitzer Klinik der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz die Prävalenz von multiresistenten gramnegativen Bakterien auf. Gleichzeitig stellte er basierend auf der Datengrundlage des aktuellen Resistenzberichtes 2017 der Medizinischen Universität Graz das Auftreten von multiresistenten Problemkeimen (MRSA, multiresistente Enterobakterien, ESBL, VRE, LRE) in der Steiermark vor und präsentierte Ergebnisse zur Prävalenz von Clostridium difficile in den Pflegewohnheimen der GGZ.

In seinem Vortrag „Krankenhaushygiene – quo vadis?" zeigte Herr Prim. Dr. Klaus Vander, Ärztlicher Direktor des Institutes für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der KAGes, relevante Qualitätsmerkmale in der Krankenhaushygiene - basierend auf der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität - auf. Wesentlich für die Beurteilung der Ergebnisqualität in der Krankenhaushygiene ist die Surveillance von Infektionen mittels einem anerkannten Surveillance-System - die Messung der Compliance der Händedesinfektion, ein aussagekräftiger Erreger- und Resistenzstatistik und Antibiotik Stewardship sind weitere bedeutende Komponenten für Ergebnisqualität. Weiters wurden Device-assoziierte Infektionsraten thematisiert und Interventionsmöglichkeiten aufgezeigt. Auch Ansätze für die künftige Herangehensweise im Zuge der Infektionsprävention - hin zur evidenzbasierten Prozessbegleitung mittels „Fortbildungsvisiten" und dem Einsatz von klinischen Experten für Hygieneprozesse - wurden beleuchtet.

Herr HFK DGKP Othmar Felsberger vom Humanomed Zentrum Althofen gab einen Einblick in das Thema Nudging. Unter dem Titel „Nudging – Sinnvolles Verhalten im Alltag fördern" stellte er Ansätze vor wie man das Verhalten von Menschen durch bestimmte Anstöße beeinflussen kann, ohne dabei auf Verbote oder Gebote bzw. auf ökonomische Anreize zurückzugreifen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es, die richtigen Impulse zu setzen. Durch einen Anstoß bzw. einen kleinen „Schubs" in die „richtige" Richtung soll das automatische (unbewusste) System des Menschen angeregt werden, die „richtige" Entscheidung zu treffen. Wie solche Anstöße in der täglichen Hygienearbeit aussehen können, wurde anhand zahlreicher Beispiele verdeutlicht.

Frau Alexandra Bechter, MA, Koordinatorin in Bezug auf die Umsetzung der „Aktion Saubere Hände" im steirischen Gesundheitswesen, führte durch die Veranstaltung.

 
Ein herzlicher Dank an die ReferentInnen für die Mitgestaltung des Erfahrungsaustausches im Rahmen der „Aktion Saubere Hände" im Jahr 2018!      
​v.l.n.r.: Prim. Dr. Klaus Vander (IKM, KAGes); Dr. Johannes Koinig (Gesundheitsfonds Steiermark); HFK DGKP Othmar Felsberger (Humanomed Zentrum Althofen); Alexandra Bechter, MA (Gesundheitsfonds Steiermark); HFK DGKP Michael Uhlmann (GGZ); Mag. Patrizia Theurer (BMASGK); HFK DGKP Christian Pux (GGZ); HFK DGKP Kathrin Pepper und Veronika Gombotz, MA (LKH-Univ. Klinikum Graz)
n.a.B: Dr. Sabrina Artinger (Bundeskanzleramt – D); Anne Rauch, MA und Kristina Walter, MA (Gesundheitsfonds Steiermark)

 

Weitere Eindrücke zur Veranstaltung:

      
      
      
       
       
      
      
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Alle Bilder: ©Gesundheitsfonds Steiermark/Hutter