Förderungscall Gesundheitskompetenz

​Hintergrund: Gesundheitskompetenz ist einerseits eine Frage der persönlichen Motivation und Fähigkeiten, hängt andererseits aber auch von den Anforderungen der Umgebung an diese Fähigkeiten ab. Auf beiden Ebenen kann die Gesundheitskompetenz gefördert werden.

Ziel: Mit dem Förderungscall sollen möglichst innovative Ansätze zur Förderung der Gesundheitskompetenz, auf individueller und auf organisationaler Ebene, konzipiert und umgesetzt werden.

Umsetzung


Insgesamt wurden 65 Projekte zur Förderung eingereicht. Im Rahmen einer Jurysitzung wurden letztendlich 5 Projekte zur Förderung ausgewählt. Diese Projekte werden zwischen 2018 und 2020 umgesetzt und sollen die Gesundheitskompetenz unterschiedlicher Zielgruppen und Settings bzw. Organisationen stärken.

2021 wird eine Gesamtevaluation der Projekte durchgeführt.

Ausgewählte Projekte:
„Evl-Pilotprojekt: Evidenzbasierte Information zur Unterstützung von gesundheitskompetenten Einrichtungen" – Projekt der MUG, Institut für Allgemeinmedizin

Projektbeschreibung: Ziel dieses Projektes ist es, den Patientinnen und Patienten in der Steiermark evidenzbasierte Gesundheitsinformationen über Hausarztpraxen und Gesundheitszentren zur Verfügung zu stellen, um ihnen eine informierte Gesundheitsentscheidung zu ermöglichen. Dabei soll auf bereits zur Verfügung stehende, hochwertige Gesundheitsinformationen zurückgegriffen werden. Diese werden hinsichtlich der Qualität bewertet und dem Team der hausärztlichen Praxis in Form der EvI-Box und EvI-Homepage (Evidenzbasierte Informationen zur Unterstützung von gesundheitskompetenten Entscheidungen) zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wird eine strukturierte Schulung für das Team der hausärztlichen Praxis zu Gesundheitskompetenz durchgeführt.

Zielgruppe: Hausärztinnen und Hausärzte sowie Angehörige von nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen, steirische Bevölkerung

Projektdauer: 01.05.2018-31.12.2020

Projektleitung: Dr. rer. medic. Muna Abuzahra, BSc, MA; muna.abuzahra@medunigraz.at

„Health Literacy und Diversity für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I - HeLi-D": Entwicklung eines Programms zur Förderung der Gesundheitskompetenz (Health Literacy) von Schülerinnen und Schüler mit hoher Diversität – Projekt der Universität Graz, Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft, Arbeitsbereich Integrationspädagogik und Heilpädagogische Psychologie

Projektbeschreibung:
Das Ziel des Projektes HeLi-D besteht in der Entwicklung eines Programms zur Förderung der Gesundheitskompetenz (Health Literacy) von Schülerinnen und Schüler mit hoher Diversität in den Bereichen Erstsprache, sozioökonomischer Status und Behinderung. Das Projekt HeLi-D ist für eine Laufzeit von 3 Jahren (Jänner 2018 bis Dezember 2020) geplant. In einem partizipativen Prozess wird ein adaptives digitales Trainingsprogramm (ADT) entwickelt und im Längsschnitt über rund 5 Wochen hinweg umgesetzt und evaluiert. Involviert werden hier ca. 1200 Schülerinnen und Schüler (800 Interventionsgruppe, 400 Vergleichsgruppe) der 2. und 3. Klasse AHS und NMS in der Steiermark sein. Das Besondere am Trainingsprogramm sind die Differenziertheit der Inhalte (vier verschiedene sprachliche Komplexitätsstufen; in Teilen mehrsprachig) und der adaptive Charakter des Computerprogramms. So wird es möglich, dass alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse unabhängig von ihren individuellen Kompetenzen in einem inklusiven Setting an ein und demselben Thema arbeiten können. Das Projekt wird unter der Leitung von Prof. Dr. Gasteiger-Klicpera vom Arbeitsbereich Integrationspädagogik und Heilpädagogische Psychologie an der Karl-Franzens-Universität gemeinsam mit dem Know-Center (TU Graz) und der Medizinischen Universität Graz (Research Center for Safety in Health und Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung) durchgeführt. Das Know-Center übernimmt die Programmierung des ADT und die Medizinische Universität Graz steuert ihre medizinische Expertise bei. Die Universität Graz übernimmt unter anderem die Gestaltung der Trainingsmaterialien und die Durchführung und Evaluation der Intervention.

Zielgruppe: Schülerinnen und Schüler im Alter von 12-14 Jahren, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern

Projektdauer: 01.01.2018-31.12.2020

Projektleitung: Univ.Prof. Dr. Barbara Gasteiger Klicpera, barbara.gasteiger@uni-graz.at

"Auf Gesundheitskurs" – Ein Schulungsprojekt zur Förderung der individuellen und organisationsbezogenen Gesundheitskompetenz in Feldbach und der Region Südoststeiermark) - Projekt der FH Joanneum (Institut für Gesundheits- und Tourismusmanagement

Projektbeschreibung:  Auf Gesundheitskurs – gesundheitskompetent in Feldbach“ ist ein Schulungsprojekt zur Förderung der individuellen und organisationsbezogenen Gesundheitskompetenz in der Region Südoststeiermark. Im Fokus stehen MitarbeiterInnen und Führungskräfte aus Dienstleistungs- und Produktionsbetrieben, aus dem öffentlichen Dienst sowie alle BürgerInnen der Neuen Stadt Feldbach.
Das Projekt zielt auf die Steigerung des Verständnisses von Gesundheitskompetenz bei EntscheidungsträgerInnen, den Aufbau von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten hinsichtlich Gesundheitskompetenz bei MultiplikatorInnen sowie der Steigerung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung.
Für die Messung der Gesundheits- und Mobilitätskompetenz auf lokaler Ebene wird ein Instrument entwickelt und Daten mittels telefonischer Haushaltsbefragung erhoben. Aufbauend auf den Ergebnissen werden zwei Gesundheitskompetenzschulungen (für EntscheidungsträgerInnen und MultiplikatorInnen in Organisationen) konzipiert und durchgeführt. Es werden Kleinprojekte in Organisationen geplant und umgesetzt. Schulungshandbücher, -materialien und ein MOOC-Online-Kurs stehen nach zwei Projektjahren zur nachhaltigen Nutzung zur Verfügung und werden in weiteren Gemeinden der Steiermark verbreitet.

Zielgruppe: politsche Entscheidungsträger wie zb. Bürgermeister, Multiplikatoren auf organisationaler Ebene, Bevölkerung

Projektdauer: 01.01.2018-31.12.2020

Projektleitung: Kathrin Hofer BA, MA, Kathrin.Hofer@fh-joanneum.at

„Gemeinsam Gesundheit Gestalten. Regionale Entwicklung für altergerechte Gesundheitsversorgung" – Projekt von Verein Akzente

Projektbeschreibung: Ältere Menschen im ländlichen Raum sind dem Risiko medizinischer Ungleichversorgung ausgesetzt. Dagegen werden Maßnahmen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz, zur Sensibilisierung von Gesundheitsberufen und zur gesundheitskompetenten Gestaltung regionaler sozialer Settings gesetzt: In speziellen Bildungsformaten setzen sich Ältere, Ärztinnen und Ärzte und Gesundheitspersonal gemeinsam und forschungsgeleitet mit gesundheitsrelevanten Themen auseinander und entwickeln verschiedene Produkte/Medien zur Gesundheitsförderung älterer Menschen. In forschenden, explorativen, partizipativen, zielgruppenübergreifenden Settings werden innovative Medien für die Gesundheitsinformation entwickelt und evaluiert, die für ältere Menschen in der Region gut zugänglich und verständlich sind. Damit wird die Kommunikation zwischen älteren Menschen und Gesundheitssystem verbessert und es werden die Kompetenzen im Auffinden, Verstehen, Beurteilen und Anwenden von gesundheitsrelevanten Informationen erhöht. Produktinnovativ ist die Verbindung traditioneller Informationswege (z.B. Radio, schriftliche Aufbereitung) und neuer (digitaler) Ansätze, etwa in crossmedialen Formaten. Dieser Produktinnovation liegt ein innovativer Produktionsprozess zugrunde, der auf Zusammenarbeit zwischen älteren Menschen, ÄrztInnen und anderen Gesundheitsberufen beruht, sodass eine Ausrichtung an den Bedarfen und Bedürfnissen der Zielgruppe älterer Menschen und am Stand der medizinischen Praxis erreicht wird. Erwünschte und geplante "Nebenwirkung" ist die Stärkung von regionaler Expertise für Gesundheitspersonal und ältere Menschen (Empowerment).

Zielgruppe: ältere Menschen, regionale Akteure im Gesundheits- uns Sozialsystem

Projektdauer: 01.01.2018-31.12.2019

Projektleitung: Dorothea Sauer, M.Ed., dorothea.sauer@akzente.or.at

"Der Gesundheitskompetenz-Ring 007" – Aufbau von Gesundheitskompetenz in der Berufsgruppe der Landwirtschaft - Projekt des Maschinenring Steiermark

Projektbeschreibung: In der Berufsgruppe der Landwirtschaft wird ein erhöhtes Vorkommen von chronischen Krankheiten, Suizidalität und psychischen Erkrankungen beobachtet. Aufgrund dieser Problemlage wurden Defizite festgestellt, die auf eine geringe Gesundheitskompetenz schließen lassen und einen Bedarf darstellen. Gesundheitskompetenz soll im Rahmen von sieben partizipativ erarbeiten Themen für Maschinenringmitglieder aufgebaut werden und Empfehlungen erstmals in einer für die Zielgruppe verständlichen Sprache als Onlineinformation zur Verfügung stehen. Aufgrund der Ergebnisse der Gesundheitsbefragungen der Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB) wurden Defizite festgestellt, die auf eine geringe Gesundheitskompetenz schließen lassen und daher gesteigert werden müssen, um bessere Gesundheitschancen in dieser Berufsgruppe zu ermöglichen. Die Projektförderung zum Thema „Gesundheitskompetenz" soll es einerseits erstmals ermöglichen, sieben verschiedene Gesundheitsthemen - abgeleitet von den Problemstellungen - aktiv mit und für die Mitglieder zu erarbeiten. Andererseits nützen immer mehr Menschen die Möglichkeit, sich Informationen zu gesundheitsrelevanten Themen aus dem Internet zu besorgen. Daraus schließend wurde festgestellt, dass es einen Bedarf an einem zielgruppenspezifischen Onlineangebot zum Thema Gesundheitskompetenz gibt. In den österreichweiten Gesundheitsförderungsmaßnahmen der Sozialversicherung der Bauern (Österreich) beträgt derzeit der Anteil männlicher Teilnehmer nur 20%. Durch das Engagement des Maschinenringes sollen deshalb in diesem Projekt verstärkt Männer angesprochen werden.

Zielgruppe: Mitglieder des Maschinenring Steiermark (SVB-Versicherte)

Projektdauer: 01.01.2018-31.12.2020

Projektleitung: Mag. Barbara Jennetten, coaching@barbarajennetten.at



Gesundheitskompetenz und Gesundheitsplan 2035 – MEHR Beteiligung


Gesundheitskompetenz umfasst das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag in den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention und Krankenversorgung Entscheidungen treffen zu können, die zur Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität und Gesundheit während des gesamten Lebensverlaufs beitragen.

Der europäische Health Literacy Survey zeigte, dass die Steirerinnen und Steirer im Bundesländervergleich die niedrigste Gesundheitskompetenz in Österreich aufweisen:

63,2% der Steirerinnen und Steirer haben eine problematische oder inadäquate Gesundheitskompetenz. Das bedeutet, dass die Menschen die Informationen über Gesundheit und Krankheit nicht ausreichend verstehen oder beurteilen und daher auch nicht entsprechend anwenden können. Personen mit höherer Gesundheitskompetenz schätzen ihre Gesundheit nicht nur besser ein als Personen mit geringerer Gesundheitskompetenz, sie sind im Schnitt auch weniger häufig im Krankenhaus, benötigen seltener Ärztinnen oder Ärzte und nutzen medizinische Notfalldienste weniger. 

 Damit diese „Gesundheitskompetenz" der Steirerinnen und Steirer verbessert wird, startet der Gesundheitsfonds nun die erste Maßnahme unter der Prämisse MEHR Beteiligung, welche aus dem Gesundheitsplan 2035 hervorgeht und damit zu einer für die Bürgerinnen und Bürger einfacheren und besser verständlichen Gesundheitsversorgung beitragen will.

Kontakt

Kristina Walter, MA  
8010 Graz , Herrengasse 28
0316/877-5416  
0316/877-5552