Wenn’s weh tut! Gesundheitstelefon: 1450

Bilanz nach einem Jahr Gesundheitstelefon 1450 und
Bereitschaftsdienst Neu in der Steiermark
Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß, der Landesstellenausschuss-Vorsitzende der Österreichischen Gesundheitskasse Steiermark Josef Harb und Bernd Leinich, Geschäftsführer des Gesundheitsfonds präsentierten heute eine einjährige Bilanz des Betriebs des Gesundheitstelefons 1450 sowie des neuen ärztlichen Bereitschaftsdienstmodells. Mit 1. April 2019 wurden in der Steiermark beide Neuerungen eingeführt und vom ersten Tag an evaluierend begleitet sowie laufend verbessert. 

„Seit Anfang April 2019 gibt es mit dem Gesundheitstelefon als telefonischen Erstkontakt einen niederschwelligen und gleichwertigen Zugang zur steirischen Gesundheitsversorgung. Damit wurde eine wesentliche Säule im Gesundheitssystem für die Steirerinnen und Steirer etabliert. Zusätzlich wurde zeitgleich der Bereitschaftsdienst reorganisiert und das Angebot verbessert. Diese Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung hat sich auch während der Corona-Pandemie als wichtige Maßnahme erwiesen“, betont Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß

Gesundheitstelefon 1450
Die telefonische Gesundheitsberatung „Wenn´s weh tut! 1450“, die bei Gesundheitsfragen und plötzlich auftretenden Beschwerden schnelle Hilfe bietet, hat in der Steiermark sämtliche Erwartungen übertroffen. Seit 1. April 2019 gibt es in der Steiermark die telefonische Gesundheitsberatung. Bei diesem telefonischen Erstkontakt erhalten Anruferinnen und Anrufer von medizinisch geschultem Personal Auskunft bei Gesundheitsfragen. Die Telefonnummer 1450 selbst ist kostenlos (es sind  lediglich die üblichen Telefonkosten gemäß dem Tarif zu zahlen) und 24 Stunden täglich erreichbar.

Für Gesundheitslandesrätin Bogner-Strauß ist das Gesundheitstelefon 1450 „ein Wegweiser, der Hausärztinnen und Hausärzte, die Gesundheitszentren, die Notfallversorgung sowie die Spitzenmedizin im Krankenhaus miteinander vernetzt. Die Spezialistinnen und Spezialisten der Leitstelle des Roten Kreuzes sorgen dafür, dass die Steirerinnen und Steirer, die die Nummer 1450 wählen, die gesundheitliche Einschätzung und die Hilfe bekommen, die sie brauchen. Diese maßgeschneiderte Information ermöglicht beste individuelle Versorgung von höchster medizinischer Qualität. Damit bringen wir die Gesundheitsversorgung näher zu den Menschen und ermöglichen den Steirerinnen und Steirern, dass sie zur, für ihre gesundheitlichen Probleme, richtigen Stelle, gelangen.“ 

Josef Harb, Landesstellenausschuss-Vorsitzender der ÖGK-Steiermark: „Die Corona-Pandemie zeigt auf drastische Art und Weise, wie unverzichtbar eine professionelle telefonische Gesundheitsberatung für die Steirerinnen und Steirer ist. Überspitzt formuliert: Gäbe es das Gesundheitstelefon noch nicht, man müsste es unverzüglich erfinden. Es ist aber wichtig zu betonen, dass 1450 keine reine Corona-Hotline ist, sondern auch bei anderen gesundheitlichen Problemen als Erstanlaufstelle zur Verfügung steht.“ 

Tritt also ein gesundheitliches Problem auf, so kann die Nummer 1450 ohne Vorwahl über das Mobiltelefon oder Festnetz gewählt werden. Besonders medizinisch geschultes diplomiertes Krankenpflegepersonal lotst jede Anruferin und jeden Anrufer durch ein medizinisch-wissenschaftliches Expertensystem und gibt dann Verhaltensempfehlungen ab. Dabei werden auch der aktuelle Aufenthaltsort der Anruferin oder des Anrufers sowie nächstmögliche Behandlungsstellen und deren Öffnungszeiten berücksichtigt, um eine optimale Versorgung zu ermöglichen. Wissen die Betroffenen nicht, welche Rufnummer für ihr Anliegen die richtige ist, so werden sie bei 1450 umgehend zur richtigen Stelle verbunden. Zum anderen schätzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Telefon die Dringlichkeit des gesundheitlichen Problems anhand eines Abfrageprozesses ein und sprechen Verhaltensempfehlungen aus. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig eine erste telefonische Anlaufstelle für die Steirerinnen und Steirer ist. 1450 wurde zur „Corona-Hotline“. 
Das Gesundheitstelefon 1450 wurde von den Steirerinnen und Steirern von Beginn an enorm genützt. Gegenüber anderen Bundesländern hatte die Steiermark sechs- bis achtfache Anruferzahlen. In den Monaten Juli 2019 bis Februar 2020 wurde 1450 an Werktagen (Montag bis Donnerstag) durchschnittlich 100 mal, an Freitagen rd. 160 mal bzw. an Wochenend- und Feiertagen rd. 400 bis 450 mal täglich angerufen. Seit Beginn der Corona-Pandemie gibt es täglich 2.000 bis 4.500 Anrufe pro Tag. Die meisten Anrufe erfolgen nach Schließung der Kassenordinationen (Montag bis Donnerstag ab 17 und am Freitag ab 13 Uhr.) Die Spitzenzeiten sind am Wochenende zwischen 8 und 10 Uhr und wieder ab 17 Uhr. Aufgrund der enormen Nutzung des Gesundheitstelefons 1450 wurden auch die Kapazitäten an Personal und Lizenzen laufend erhöht. Mit aufgestockten sieben Leitungen (Lizenzen) und den 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (1450 und Bereitschaftsdienst) an speziell ausgebildeten diplomierten Pflegepersonal (36 Personen) wurden die Wartezeiten und Servicequalitäten verbessert. 
Umgesetzt wird das Gesundheitstelefon 1450 vom Land Steiermark, dem Gesundheitsfonds Steiermark, der ÖGK Landesstelle Steiermark und dem Roten Kreuz Steiermark in Kooperation mit dem Bundesministerium für Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie der Sozialversicherung.

Corona-Pandemie und das Gesundheitstelefon 1450
Die Anruferzahlen haben während der Corona-Pandemie völlig neue Dimensionen angenommen. Mit 47.549 Anrufen im März 2020, damit mussten in dieser Zeit pro Tag zwischen 2.500 und 4.500 Anrufe abgearbeitet werden. Zur Bewältigung dieser Situation wurden vom Roten Kreuz umgehend Maßnahmen getroffen, wie die umfassende Personalaufstockung (Calltaker, Hintergrundärzte) und entsprechender Erhöhung der Stunden des diplomierten Personals. Zusätzlich wurde eine weitere Telefon-Lizenz erworben und die Telefonie-Arbeitsplätze wurden um acht weitere erhöht. Für Patientinnen und Patienten mit bestätigter COVID-19 – Erkrankung oder Menschen in „Corona-Quarantäne“ aufgrund behördlicher Anordnung wurde ein „Corona-Bereitschaftsdienst“ mit Visitenärzten geschaffen (Regionen Hartberg-Joglland, Wildon, Graz, Leoben-Bruck, Liezen und Leibnitz). Zum Schutz des Medizinpersonals wurden seitens des Roten Kreuzes Schutzkleidung für alle am Bereitschaftsdienst teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte organisiert.

Die Anruferzahlen vom Juni 2020 zum Vergleich: insgesamt wurde 10.052 mal angerufen. Durchschnittlich waren dies pro Tag rd. 300 Anrufe, wobei sich in den letzten Tagen des Monats Juni die Anrufe auf rund 450 pro Tag erhöht haben.

Mit der Etablierung der Website www.ordinationen.st konnten sich die Anrufe auf 1450 ab Juli 2019 stabilisieren. Seit Beginn wurden bis 31. März 2020 knapp 150.000 Zugriffe gezählt. Die Website zeigt die geöffneten Ordinationen am aktuellen Tag und am Folgetag an und erspart damit Anrufe beim Gesundheitstelefon 1450.

Bereitschaftsmodell NEU
Ein weiterer Erfolgsfaktor in der steirischen Gesundheitsversorgung ist das mit 1. April 2019 eingeführte und auf die Dauer von drei Jahren ausgerichtete Pilotprojekt „Bereitschaftsmodell Neu“. Während des ersten Betriebsjahres wurden zusätzlich die Bereitschaftsordinationen an Wochenenden/Feiertagen eingeführt (Ärzte sind jeweils am Samstag, Sonntag und Feiertag in ausgewählten Ordinationen am Vormittag anwesend). Zusätzlich wurde die Erhöhung um drei Regionen auf nunmehr in Summe 25 Regionen umgesetzt, um die Wegstrecken zu reduzieren.
„Der Bereitschaftsdienst neu hat sich mehr als nur bewährt und zu einer besseren Versorgung der steirischen Bevölkerung, vor allem an den Werktagen, geführt. Mit neuen Projekten wird konsequent die Versorgung und Servicequalität vorangetrieben“, sagt Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß

Teilnehmende Ärztinnen und Ärzte
Der Kreis der teilnahmeberechtigten Ärztinnen und Ärzte wurde mit dem Bereitschaftsdienst Neu deutlich erweitert. Zur Teilnahme am Bereitschafts-Visitendienst sind alle Ärztinnen und Ärzten mit ius practicandi in der Steiermark berechtigt. Dies schließt somit angestellte Medizinerinnen und Mediziner ebenso ein, wie all jene mit vertragsfreien Ordinationen (Wahlärztinnen und -ärzte) oder ohne eine solche (Wohnsitzärztinnen und -ärzte). Zudem beschränkt sich diese Möglichkeit nicht auf in der Steiermark ansässige Ärztinnen und Ärzte. Mit 31. März 2020 haben 466 Ärztinnen und Ärzte ihre Teilnahmeerklärung abgegeben, wobei davon 340 Kassenvertragsärztinnen und -ärzte und 126 keine Kassenvertragsärztinnen und -ärzte sind. Von diesen 466 Ärztinnen und Ärzten nehmen nur etwa 200 regelmäßig an Visitendiensten teil, wobei etwa 50 Ärztinnen und Ärzte (meist Wahlärzte) von diesen Diensten ihr Haupteinkommen beziehen. Dies bestätigt die Notwendigkeit auch Ärztinnen und Ärzte ohne Kassenvertrag teilnehmen zu lassen. Es wurden 9.653 Visitendienste von Ärztinnen und Ärzten, die einen Kassenvertrag haben, und 6.098 von Ärztinnen und Ärzten, die keinen Kassenvertrag haben, durchgeführt. Etwa 75 % der Patientinnen und Patienten mit einem 1450-Beratungsgespräch erhalten eine Visite zugeteilt. An den Wochenenden sind es sogar 90 % der triagierten Anruferinnen und Anrufer. 
Die nachträglich mit 20. Juli 2019 eingeführten Bereitschaftsdienstordinationen von 8 bis 11 Uhr an Samstagen, Sonn- und Feiertagen zeigen seit Einführung mit rund 60 % eine gute und aktuell über die letzten Monate mit ca. 93 % eine sehr gute Buchungslage (Besetzungsgrad). 

Visitendienste
Die Visitendienste (Besuche bei Patientinnen und Patienten zu Hause oder im Pflegeheim) sind nur nach vorgeschalteter Triage durch speziell ausgebildetes diplomiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, ergänzt durch Tele-Ärztinnen und -ärzte (Gesundheitstelefon 1450) möglich und werden seit einem Jahr durchgeführt.
Die freiwillige Teilnahme am Bereitschaftsmodell machte es zur Herausforderung in allen Regionen ausreichende Besetzungen zu erhalten. Insbesondere die Regionen Aichfeld, Mürztal und Ostssteiermark (Hartberg-Fürstenfeld, Feldbach) sind unterdurchschnittlich und bisher nicht zufriedenstellend gebucht. Die von den Ärztinnen und Ärzten und von der Interessensvertretung geforderte Aufsplittung der „großen“ Region Judenburg, Knittelfeld-Trofaiach in Judenburg, Knittelfeld-Zeltweg und Trofaiach hat gezeigt, dass auch derartige Maßnahmen zu keiner Steigerung der Visitendienstbuchungen führen. Die durchschnittliche Buchung belief sich vor Einführung der Ordinationen auf rund 71 %, derzeit liegen die Buchungen der Visitendienste (Stand 1. Juli 2019 bis 21. März 2020) an Wochentagen bei 61 % und an Wochenenden bei 79 %. Die Einführung der Bereitschafts-Ordinationen hat die Versorgung zusätzlich verbessert. Bezüglich der optimalen Auslastung in den Regionen werden neue Versorgungsvarianten mit Tele-Ärztinnen und Tele-Ärzten und Sanitäter-Einsatz geprüft.
„Mit der Installierung des nicht mehr verpflichtenden Bereitschaftsdienstes an Wochenenden und Feiertagen wurde im Vorjahr eine langjährige Forderung der Ärzteschaft umgesetzt. In den meisten Regionen hat sich das Modell auch rasch bewährt und funktioniert sehr gut. Leider haben wir aber immer noch einige Problemzonen, wo aus schwer nachvollziehbaren Gründen zu wenige Ärztinnen und Ärzte bereit sind, Bereitschaftsdienste zu übernehmen. Wir werden uns sehr genau ansehen, warum die Freiwilligkeit gerade in diesen Regionen an ihre Grenzen stößt – schließlich haben wir einen Versorgungsauftrag, der überall erfüllt werden muss!“, erklärt Landesstellenausschuss-Vorsitzender Harb abschließend.

v.l.n.r.: Bernd Leinich, Geschäftsführer Gesundheitsfonds Steiermark; Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß; Josef Harb, Landesstellenausschuss-Vorsitzender ÖGK

©Gesundheitsfonds Steiermark/Streibl