Evidenzbasierung für mehr Sicherheit in der PatientInnenversorgung – tun wir das Richtige?

Der Gesundheitsfonds Steiermark veranstaltete am 18. September 2015 bereits zum sechsten Mal das Netzwerktreffen „PlattformQ "SALUS“ und widmete sich diesmal dem Thema Erhöhung der PatientInnensicherheit durch evidenzbasierte Medizin.
​In den vergangenen Jahren wurde bereits eine breite Palette an Projekten und Themen vorgestellt, welche die verschiedenen Möglichkeiten und Herangehensweisen zur Verbesserung der Qualität und PatientInnensicherheit hervorgehoben haben. In diesem Jahr stand der nachweisliche Nutzen, die mess- und sichtbaren Ergebnisse zur Optimierung der PatientInnensicherheit durch den Einsatz der besten zur Verfügung stehenden Wissensquellen und Daten in der medizinischen Behandlung, im Fokus.

Ziel der Veranstaltung war es, die Notwendigkeit und den Einfluss evidenzbasierter Medizin auf eine sichere und angemessene Versorgung von PatientInnen zu diskutieren. Durch die Behandlung des Themas sollte das Bewusstsein als auch die Wahrnehmung zum Thema und dessen Beitrag zur Erhöhung der PatientInnensicherheit verstärkt werden – denn evidenzbasierte Medizin unterstützt wesentlich dabei, das RICHTIGE richtig zu tun!

Neben den Vortragenden Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Leiterin des Institutes für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung, Claudia Wild, Leiterin des Ludwig Boltzmann Institutes für Health Technology Assessment und Wolfgang Blank, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin sowie Fachbereichssprecher des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin begrüßen Gesundheitslandesrat Christopher Drexler und die Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Verena Nussbaum, die PatientInnenversorgung durch evidenzbasierte medizinische Behandlungen.

Gesundheitslandesrat Christopher Drexler unterstützt evidenzbasierte Medizin: „Bestes verfügbares Wissen in der medizinischen Behandlung einzusetzen und die Qualität der ärztlichen Betreuung zu erhöhen steht dabei im Vordergrund. Die wissenschaftliche Beobachtung medizinischer Interventionen über einen längeren Zeitraum unterstützt die objektive Einschätzung einer Erkrankung. Damit wird die Versorgung der Patientinnen und Patienten deutlich verbessert."

Verena Nussbaum, Obfrau der STGKK: „Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten muss stets im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen. Erfreulicherweise gibt es in der Steiermark eine Reihe von Projekten, die sich nachhaltig und mit hoher Qualität genau dieses Themas annehmen. Die zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Daten und Quellen dafür möglichst optimal auszunützen, spielt dabei eine wesentliche Rolle."


Das Thema PatientInnensicherheit setzte sich auch im zweiten Teil der Veranstaltung fort. Die Initiative PatientInnensicherheit Steiermark konnte wieder an vier Einrichtungen eine Auszeichnung für ihre Aktivitäten zur Verbesserung der PatientInnensicherheit im steirischen Gesundheitswesen verleihen: erstmals an das Landeskrankenhaus Mürzzuschlag-Mariazell, bereits zum zweiten Mal an das AUVA-Unfallkrankenhaus Graz, das Landeskrankenhaus Deutschlandsberg und das Allgemeine und orthopädische Landeskrankenhaus Stolzalpe.


Steirischer Qualitätspreis Gesundheit - "SALUS" verliehen


Auch in diesem Jahr zählte die Verleihung des „SALUS – Steirischer Qualitätspreis Gesundheit" zu den Höhepunkten der Veranstaltung. Dieser Preis wurde bereits zum siebten Mal vergeben und zeichnet Aktivitäten im steirischen Gesundheitswesen aus, die für die konsequente Verfolgung systematischer Qualitätsarbeit stehen. Der Preis steht aber nicht nur für diese Aktivitäten und deren Ergebnisse, vielmehr rückt er jene Menschen, Teams oder Organisationen in den Vordergrund, die mit viel Engagement und Einsatz hinter diesen Aktivitäten stehen.

Die Finalisten in diesem Jahr waren:
  • „Styriamed.net – Ihr regionaler Ärzteverbund" – Ärztekammer für Steiermark
  • „Flächendeckendes ILS (Immediate Life Support) Training im patientennahen Bereich mit Implementierung eines Notfallteams" – Krankenhaus der Elisabethinen/Marienkrankenhaus Vorau
  • „GlucoTab System: Innovatives Blutzuckermanagement mit einem Tablet-PC direkt am PatientInnenbett im Krankenhaus" – Medizinische Universität Graz, Abt. für Endokrinologie und Stoffwechsel/LKH-Univ. Klinikum Graz, Abt. für Endokrinologie und Stoffwechsel/Joanneum Research Forschungsgesellschaft, Bereich Health


Im Vorfeld stellten sich diese drei Finalisten der Qualitätssicherungskommission Steiermark, die in einem Hearing den Gewinner ermittelte. Über den Preis, gestaltet von KünstlerInnen der „Kreativgruppe Randkunst" in Lieboch, freuten sich die Gewinner Medizinische Universität Graz, Abt. für Endokrinologie und Stoffwechsel/LKH-Univ. Klinikum Graz, Abt. für Endokrinologie und Stoffwechsel/Joanneum Research Forschungsgesellschaft, Bereich Health.


Das Siegerprojekt:
„GlucoTab System: Innovatives Blutzuckermanagement mit einem Tablet-PC direkt am PatientInnenbett im Krankenhaus" – Medizinische Universität Graz, Abt. für Endokrinologie und Stoffwechsel/LKH-Univ. Klinikum Graz, Abt. für Endokrinologie und Stoffwechsel/Joanneum Research Forschungsgesellschaft, Bereich Health

Erhöhte Blutzuckerwerte als Folge einer unzureichenden Behandlung sind im Krankenhaus mit größerem Infektionsrisiko, erhöhter Mortalität, längeren Aufenthalten und Beeinträchtigungen nach Spitalsentlassungen assoziiert. Daher hat die Medizinische Universität Graz, das LKH-Univ. Klinikum Graz und die JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH ein System zur Verbesserung des Blutzuckermanagements im Krankenhaus entwickelt und in der klinischen Praxis evaluiert. Das GlucoTab System ist ein CE gekennzeichnetes Medizinprodukt. Die GlucoTab Software kann mit Tablets direkt am PatientInnenbett genutzt werden und unterstützt die Blutzuckereinstellung von PatientInnen mit Diabetes im Krankenhaus durch Strukturierung der Arbeitsprozesse und durch Empfehlungen zur Insulindosierung für ÄrztInnen und Pflegepersonen. Mithilfe von GlucoTab konnte im Vergleich zur Standardversorgung der Anteil der Blutzuckerwerte im empfohlenen Zielbereich (70-180 mg/dl) von 53% auf 73% erhöht werden. Nur 1,9 % der Blutzuckerwerte lagen unter 70 mg/dl – schwere Hypoglykämien (<40 mg/dl) konnten gänzlich vermieden werden.

 

    
   
Steirischer Qualitätspreis Gesundheit – „SALUS“  Finalisten – Projektbeschreibungen:
„Styriamed.net – Ihr regionaler Ärzteverbund" – Ärztekammer für Steiermark

Die demografische Entwicklung, der Anstieg von chronischen Erkrankungen und Multimorbidität stellen Herausforderungen im Gesundheitswesen dar und machen innovative Modelle notwendig. Styriamed.net ist ein sektorenübergreifendes, interdisziplinäres und multiprofessionelles Projekt der Ärztekammer für Steiermark, bei dem der extra- und intramurale Bereich verzahnt wird. Ziel ist es eine virtuelle Gruppenpraxis zu schaffen, die die bestehenden Strukturen zusammenführt. Im Rahmen von Styriamed.net wird auf höchstem Level zwischen ÄrztInnen, Spitälern und anderen Gesundheitsdiensteanbietern kommuniziert, kooperiert und koordiniert. Dadurch entstehen Synergieeffekte für ÄrztInnen, es finden Auslagerungen aus dem Krankenhaus statt und es entsteht ein besseres Verständnis des niedergelassenen Bereiches für das Spital – und umgekehrt. Derzeit gibt es zehn regionale Ärzteverbünde, verteilt in der gesamten Steiermark, mit 349 ärztlichen Praxen (207 AllgemeinmedizinerInnen und 142 FachärztInnen) und 15 Krankenhäusern.

 



 

„Flächendeckendes ILS (Immediate Life Support) Training im patientennahen Bereich mit Implementierung eines Notfallteams" – Krankenhaus der Elisabethinen/Marienkrankenhaus Vorau

Notfallsituationen im Krankenhaus sind selten, erfordern jedoch beim Eintreten Sicherheit in den Fertigkeiten und Kenntnissen aller beteiligten Personen. Das Krankenhaus der Elisabethinen GmbH und das Marienkrankenhaus Vorau GGmbH setzten sich zum Ziel, die PatientInnensicherheit unter Notfallsituationen an jedem Ort im Krankenhaus und am gesamten Krankenhausgelände zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen wurden ein jährliches, interdisziplinäres Notfalltraining für alle MitarbeiterInnen im patientennahen Bereich (ILS Training nach ERC Richtlinien) durchgeführt, ein interdisziplinäres Notfallteam eingerichtet und ein mobiles Notfallequipment installiert sowie einheitliche Alarmierungskriterien implementiert. In jährlichen videoassistierten Simulationstrainings werden Prozesse im Abarbeiten von Notfallsituationen unter erschwerten örtlichen Bedingungen optimiert und daraus gewonnene Erkenntnisse als Lehrinhalt in die ILS Trainings eingebaut. Seit April 2013 ist keine weitere Meldung im CIRS über unerwünschte Ereignisse oder Risiken in Notfallsituationen eingegangen. Seit 2013 gab es drei Notfallsituationen am Krankenhausgelände, die mit dem Notfallteam und der mobilen Notfalleinrichtung erfolgreich bewältigt werden konnten - ohne diese Einrichtungen wäre nur eine stark verzögerte Hilfeleistung zu erwarten gewesen.