Steirischer Qualitätspreis Gesundheit 2019 - „SALUS“

Der Steirische Qualitätspreis Gesundheit – „SALUS“ zeichnet Aktivitäten im steirischen Gesundheitswesen aus, die für die konsequente Verfolgung systematischer Qualitätsarbeit stehen. Er soll aber vor allem jene Menschen, Teams oder Organisationen in den Vordergrund rücken, die für die konsequente Verfolgung systematischer Qualitätsarbeit stehen und sich mit viel Engagement und Einsatz dafür einsetzen.

Die Gesundheitsplattform Steiermark vergab am 23. Oktober 2019 bereits zum elften Mal den Steirischen Qualitätspreis Gesundheit - "SALUS". 

Alle Interessierten dürfen sich in diesem Jahr über den Qualitätspreis freuen, denn auch heuer wird der „SALUS" an ein Team oder eine Organisation vergeben, die im Rahmen von Initiativen, Projekten oder Aktivitäten zur Verbesserung der Qualität in einer der Kategorien Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung beitragen. Die diesjährigen Gewinner sind:

Kategorie Gesundheitsversorgung:
„Delir und Demenz" – Steiermärkische Krankenanstalten Gesellschaft mbH

Kategorie Gesundheitsförderung:
„GeWA: Gemeinsam Wachsen!" – IKEMBA Verein für Interkultur, Konfliktmanagement, Empowerment, Migrationsbegleitung, Bildung und Arbeit

Die Leiterin der Sektion VIII im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz Silvia Türk stellte ihre Keynote unter den Titel „Qualität im Gesundheitswesen – nur ein Hype oder doch ein Nutzen für die Bevölkerung?"

Für Gesundheitslandesrat Christopher Drexler ist die Auszeichnung eine Form der besonderen Wertschätzung: „Die für den Steirischen Qualitätspreis Gesundheit eingereichten Projekte von unterschiedlichsten Organisationen unterstreichen die Vielfalt und die Klasse der Leistungen im Gesundheitsbereich. Wir zeichnen innovative und erfolgreiche Aktivitäten aus, um auch die Verantwortlichen vor den Vorhang zu holen, die einen wesentlichen Beitrag zu weiteren Verbesserungen im steirischen Gesundheitswesen leisten. Durch ihre Arbeit kommen wir unserem Ziel, den Steirerinnen und Steirern die beste und qualitativ hochwertigste Versorgung anbieten zu können, noch ein Stück näher".

„Der Gesundheitsbereich wird immer vielschichtiger, das betrifft sowohl den niedergelassenen als auch den stationären Bereich. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Steuerungspfade durch das Gesundheitssystem ständig verfeinern, um eines sicherzustellen: Die beste Qualität muss auch tatsächlich bei den Patientinnen und Patienten ankommen", betont der Obmann der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Josef Harb. „Gerade im Bereich der Gesundheitsförderung, die idealerweise schon bei den werdenden Müttern und ihren Babys beginnt, sind qualitätsgesicherte Prozesse besonders wichtig. Nur so können wir mittel- und langfristig erreichen, dass die Zahl der gesunden Lebensjahre in Österreich endlich nachhaltig steigt – mit allen positiven Effekten für die Betroffenen, für unser Gesundheitssystem und letztlich für die ganze Gesellschaft", ergänzt der steirische Kassenobmann.

Kurzinformationen zu den Gewinner-Projekten

Kategorie Gesundheitsversorgung:

„Delir und Demenz" – Steiermärkische Krankenanstalten Gesellschaft mbH

Das Projekt „Delir und Demenz" wurde bereits im April 2014 vom Vorstandsvorsitzenden der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft m.b.H., Univ. Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg, in Auftrag gegeben. Den Ursprung der Idee zum Projekt bildete die Tatsache, dass durch die steigende Lebenserwartung der Anteil von Menschen mit Demenz wie auch akuten Verwirrtheitszuständen (Delir) im Krankenhaus zunimmt. Menschen mit Demenz und/oder Delir haben spezifische Bedürfnisse, besonders im Krankenhaus. Das hohe Tempo des Krankenhausalltags, der veränderte Tagesablauf, die teilweise hochtechnisierte und zudem ungewohnte Umgebung sowie die vielen fremden Personen stellen Herausforderungen dar, auf die betroffene Personen mit Verhaltensänderungen, wie z.B. Ängsten, erhöhter Aggressivität, sozialem Rückzug oder unangepasstem Verhalten, reagieren können. Ohne entsprechende Maßnahmen besteht die Gefahr, dass die Lebensqualität dieser Patientinnen und Patienten trotz medizinischer Erfolge erheblich sinkt und die Verweildauer im Krankenhaus steigt.

Zu Beginn des Projektes zeigte eine Befragung von Personen aus den Berufsfeldern Pflege, Medizin und medizinisch-technische Dienste zu deren Erfahrungen mit Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder akuter Verwirrtheit im Krankenhaus unter anderem einen erheblichen Belastungsgrad der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und einen Bedarf an speziellem Wissen.  Ziel des Projektes war es, zu befähigen, vorliegende kognitive Einschränkungen frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen die Risiken eines Auftretens einer akuten Verwirrtheit (Delir) kennen und diese durch gezielte präventive Maßnahmen und Interventionen reduzieren. Ein bereits vorliegendes Delir muss rasch und angemessen behandelt werden.

In interdisziplinären Projektteams wurden spezifische Inhalte in acht Modulen als Grundlage für die Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erarbeitet. Praxisrelevante Informationsmaterialien wurden für Angehörige entwickelt.

Die Implementierung der Projektinhalte und Maßnahmen startete nach Beendigung der Entwicklungsphase im Herbst 2017. Die Wissensvermittlung erfolgte in Präsenzveranstaltungen und Online-Lernmodulen. In interdisziplinären und multiprofessionellen Arbeitsgruppen von Expertinnen und Experten für Demenz wurden und werden die Projektinhalte in den einzelnen LKH's und überregional weiterentwickelt. Strukturen werden neu gedacht und Abläufe verändert. Menschen mit kognitiven Einschränkungen erhalten eine ihnen angemessene Qualität der Versorgung.

Um Veränderungen in der Wahrnehmung und der persönlichen Handlungssicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter festzustellen, wird eine Wiederholung der Erstbefragung durchgeführt.

Kategorie Gesundheitsförderung:

„GeWA: Gemeinsam Wachsen!" – IKEMBA Verein für Interkultur, Konfliktmanagement, Empowerment, Migrationsbegleitung, Bildung und Arbeit

Die Studie " Mental Health in Austrian Teenagers (MHAT)" kommt zum Ergebnis: Rund 24 % der Jugendlichen in Österreich erfüllen zum aktuellen Zeitpunkt (Punktprävalenz), rund ein Drittel der Jugendlichen erfüllten irgendwann in ihrem Leben (Lebenszeitprävalenz) die Kriterien für zumindest eine psychische Erkrankung. Weniger als 50 % der Jugendlichen mit einer psychischen Störung haben bis jetzt professionelle Hilfe angenommen. (vgl. Krawautz; Wagner2015:  MHAT Studie Ergebnisfolder. Medizinische Universität Wien.)

Bereits seit einem Jahr fördert das Projekt „GeWa: gemeinsam Wachsen" die psychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die aus sogenannten „schwer erreichbaren" Familien mit Migrationshintergrund stammen. Oft sind sie von Armut betroffen, haben wenig formelle Bildung, eine geringe Gesundheitskompetenz und partizipieren nicht an der Gesellschaft. Die Erziehung passiert in einem Spannungsfeld von traditionellen Werten und Erziehungsmethoden aus dem Herkunftsland und den demokratischen Erziehungsidealen der österreichischen Gesellschaft. Erfahrungen von Rassismus und Diskriminierung sind keine Seltenheit. Diese Jugendlichen haben mit deutlich höheren Risikofaktoren für ihre psychosoziale Gesundheit zu kämpfen.

IKEMBA arbeitet im Projekt eng mit der Kinder- und Jugendhilfe und psychosozialen Diensten zusammen um diese Gruppe von Familien in die bestehenden Angebote zu integrieren. Durch die Methode der Outreacharbeit, aufsuchender Kontaktarbeit im Lebensumfeld der Zielgruppe, werden diese Familien erreicht und auf das Thema der psychosozialen Gesundheit aufmerksam gemacht. Vor Ort, in der Muttersprache werden Workshops zur Wissensvermittlung für die Eltern angeboten. Zusätzlich gibt es eine Empowermentgruppe für Eltern, wo Erziehungs- und Gesundheitsthemen diskutiert werden, gemeinsam relevante Institutionen besucht werden und die Eltern praktische Tipps bekommen. Die Jugendlichen treffen sich ebenfalls regelmäßig in einer Gruppe, sie erarbeiten gemeinsam für sie wichtige Themen, lernen in Graz Einrichtungen kennen, welche Jugendliche in unterschiedlichen Lebenssituationen unterstützen und knüpfen Kontakte außerhalb ihrer Community. Empowerment der Eltern und der Jugendlichen ist das Ziel des Projektes. Eltern und Jugendliche verfügen nach Projektende über ausreichend Wissen, Kompetenzen und Kontakte, um ein Aufwachsen in psychosozialer Gesundheit möglich zu machen Gefördert wird das Projekt vom Fonds Gesundes Österreich, dem Gesundheitsfonds des Landes Steiermark, dem Gesundheitsamt der Stadt Graz und dem Bundeskanzleramt - Bundesministerin für Frauen, Familien und Jugend.

Gewinner des „SALUS“ 2019

v.l.n.r.: Gesundheitslandesrat Christopher Drexler; VertreterInnen der „SALUS“-Gewinner 2019 Projekt „Delir-Demenz“ der KAGes: Reinhold Schmidt, Brigitte Walzl, Christian Jagsch; GKK-Obmann Josef Harb


v.l.n.r.: Gesundheitslandesrat Christopher Drexler; VertreterInnen der „SALUS“-Gewinner 2019 Projekt „GEWA“ Verein IKEMBA: Irida Kulla, Livinus Nwoha, Christine Leitner; GKK-Obmann Josef Harb

        

Die Filme zur „SALUS“ - Verleihung 2019

„Delir und Demenz" – Steiermärkische Krankenanstalten Gesellschaft mbH

         
 
    


„GeWA: Gemeinsam Wachsen!" – IKEMBA Verein für Interkultur, Konfliktmanagement, Empowerment, Migrationsbegleitung, Bildung und Arbeit